In einer Welt voller Meinungen bezeugt das Apostolikum seit Jahrhunderten, woran Christen glauben. Es ist mehr als ein Text – es ist das Fundament unseres Glaubens, gesprochen von Millionen Lippen, getragen von unzähligen Herzen.
Ich glaube an Gott, den Vater,
den Allmächtigen,
den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus,
seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn,
empfangen durch den Heiligen Geist,
geboren von der Jungfrau Maria,
gelitten unter Pontius Pilatus,
gekreuzigt, gestorben und begraben,
hinabgestiegen in das Reich des Todes,
am dritten Tage auferstanden von den Toten,
aufgefahren in den Himmel;
er sitzt zur Rechten Gottes,
des allmächtigen Vaters;
von dort wird er kommen,
zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist,
die heilige christliche Kirche,
Gemeinschaft der Heiligen,
Vergebung der Sünden,
Auferstehung der Toten und das ewige Leben.
Amen.
Es gibt Worte, die überdauern. Worte, die nicht verblassen, wenn Trends sich wandeln und Zeitgeister wechseln. Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist solch ein Wort. Seit den ersten Jahrhunderten der Christenheit wird es gesprochen, gebetet, bekannt. In Kathedralen und Hinterhofkapellen, in Zeiten des Friedens und in Stunden der Verfolgung. Es ist ein Bekenntnis, das nicht aus gelehrten Büchern entsprang, sondern aus dem Herzen der Kirche, aus der Gemeinschaft derer, die Christus nachfolgen. Und es beginnt nicht mit einer Theorie, sondern mit einem Bekenntnis: „Ich glaube.“
Wer diese Worte spricht, tritt in eine uralte Tradition ein. Er steht neben den Märtyrern der frühen Kirche, neben den Reformatoren, neben allen, die in Anfechtung und Zweifel dennoch festhielten an dem, was ihnen überliefert wurde. „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.“ Mit diesen Worten beginnt das Bekenntnis, und es beginnt dort, wo alles beginnt: bei Gott selbst. Nicht bei unseren Gefühlen, nicht bei unseren Erfahrungen, sondern bei dem, der war, ehe die Welt war.
Die Heilige Schrift bezeugt diesen Gott von der ersten Seite an. „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“, heißt es in 1. Mose 1,1. Dieser Satz ist keine mythische Erzählung, sondern eine Grundaussage über die Wirklichkeit: Alles, was ist, hat seinen Ursprung in Gott. Er ist der Schöpfer, der Allmächtige, der Vater. Diese drei Bezeichnungen sind nicht zufällig gewählt. Sie offenbaren uns, wer Gott ist. Er ist Schöpfer, weil er aus dem Nichts das Sein hervorbrachte. Er ist allmächtig, weil keine Macht ihm gleicht und nichts seiner Herrschaft entkommt. Und er ist Vater, weil er nicht ein ferner, kalter Gott ist, sondern einer, der sich seinen Geschöpfen zuwendet in Liebe und Fürsorge.
Doch das Bekenntnis verweilt nicht lange bei dieser ersten großen Wahrheit. Es eilt weiter, dorthin, wo Gottes Liebe am deutlichsten sichtbar wurde: zu Jesus Christus, seinem eingeborenen Sohn, unserem Herrn. Hier verdichtet sich das Evangelium in wenigen Sätzen zu einem gewaltigen Zeugnis. „Empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria.“ Das Wunder der Menschwerdung Gottes wird hier ausgesprochen. Der ewige Sohn Gottes, durch den alle Dinge geschaffen wurden, wie es in Johannes 1,3 heißt, nahm Fleisch an und wurde Mensch. Er kam nicht in Herrlichkeit und Macht, sondern in der Niedrigkeit einer Geburt, in einem Stall, geboren von einer Jungfrau aus Nazareth.
Die Jungfrauengeburt ist kein mythologisches Beiwerk, sondern eine theologische Notwendigkeit. Sie bezeugt, dass Jesus nicht nur ein besonderer Mensch war, sondern wahrhaftiger Gott und wahrhaftiger Mensch zugleich. Matthäus 1,23 zitiert den Propheten Jesaja: „Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns.“ Gott mit uns. Das ist die Botschaft der Menschwerdung. Gott ist nicht fern geblieben, er hat sich nicht abgewandt, sondern er ist zu uns gekommen, in unsere Welt, in unsere Not, in unsere Dunkelheit.
Die Jungfrauengeburt ist nicht ein poetisches Bild, das man glauben kann oder nicht, sondern das Bekenntnis, dass Gottes Handeln nicht an menschliche Möglichkeiten gebunden ist. Wer sie preisgibt, löst das Geheimnis der Menschwerdung auf und macht aus Christus einen bloß außergewöhnlichen Menschen. Doch das Evangelium bezeugt: Hier handelt Gott selbst. Der Sohn wird nicht aus menschlicher Kraft geboren, sondern durch den Heiligen Geist – ein Anfang, der ganz von oben kommt. Darum ist die Jungfrauengeburt ein Prüfstein des Glaubens: Sie bekennt Gottes Allmacht, seine Freiheit, seine Nähe. Sie sagt uns, dass der Erlöser nicht aus unserer Welt hervorgeht, sondern in unsere Welt hineinkommt.
Wer dieses Wunder annimmt, bekennt: Gott kann schaffen, wo wir nichts vermögen; er kann beginnen, wo wir am Ende sind; er kann Mensch werden, ohne aufzuhören Gott zu sein.
Doch das Bekenntnis führt uns weiter, und nun wird es ernst. „Gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben.“ Hier wird das Zentrum des christlichen Glaubens genannt: das Kreuz. Nicht die Lehren Jesu, nicht seine Wunder, nicht seine Weisheit stehen im Mittelpunkt, sondern sein Leiden und Sterben. Pontius Pilatus wird namentlich genannt, nicht weil er wichtig wäre, sondern weil damit die Geschichte verankert wird. Jesus Christus ist keine mythische Gestalt, sondern eine historische Person, die unter dem römischen Statthalter Pontius Pilatus gelitten hat, gekreuzigt wurde und starb.
Das Kreuz ist der Ort, an dem Gottes Liebe und Gottes Gerechtigkeit zusammenkommen. Paulus schreibt in Römer 5,8: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ Am Kreuz trug Jesus die Sünde der Welt, unsere Sünde. Er, der ohne Sünde war, wurde für uns zur Sünde gemacht, wie es in 2. Korinther 5,21 heißt, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt. Das Kreuz ist nicht das Scheitern eines guten Menschen, sondern der Sieg Gottes über die Sünde, über den Tod, über alles, was uns von ihm trennt.
„Hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Diese Aussage, oft überlesen, oft falsch verstanden, hat tiefe Bedeutung. Christus ist nicht nur gestorben, er ist in die Tiefe des Todes hinabgestiegen, dorthin, wo keine Hoffnung mehr ist, wo die Verlorenen sind. Er hat den Tod bis in seine letzte Tiefe ausgekostet, damit niemand mehr allein im Tod sein muss. 1. Petrus 3,19 spricht davon, dass Christus auch den Geistern im Gefängnis gepredigt hat. „In der Kraft dieses Geistes ging er auch zu den Geistern im Gefängnis und verkündete ihnen seinen Sieg.“ Der Tod hat keine Macht mehr über ihn, und deshalb hat er auch keine endgültige Macht mehr über uns.
Es zeigt uns: Christus hat den Ort berührt, den wir am meisten fürchten. Er ist in jene Tiefe hinabgestiegen, in der der Mensch nichts mehr vorzuweisen hat – keine Kraft, keine Würde, keinen Glauben, nicht einmal ein Gebet. Gerade dort hat er seinen Sieg ausgesprochen. Wer das bekennt, der weiß: Unsere dunkelsten Räume sind ihm nicht fremd. Er hat die Tür des Todes von innen her geöffnet. Seitdem ist selbst der tiefste Abgrund nicht mehr der Ort des Endes, sondern der Ort, an dem sein Licht zuerst aufscheint. Seine Gegenwart reicht weiter hinab, als wir fallen können, und seine Gnade beginnt genau dort, wo unsere Möglichkeiten enden.
„Am dritten Tage auferstanden von den Toten.“ Hier bricht das Licht herein. Die Auferstehung ist das Ja Gottes zu seinem Sohn, das Siegel auf sein Werk, der Beweis, dass der Tod besiegt ist. Ohne die Auferstehung wäre unser Glaube nichtig, sagt Paulus in 1. Korinther 15,14. Aber Christus ist auferstanden, wahrhaftig auferstanden. Die Frauen am Grab, die Jünger auf dem Weg nach Emmaus, die Apostel im verschlossenen Raum, sie alle begegneten dem Auferstandenen. Er zeigte ihnen seine Wunden, aß mit ihnen, sprach mit ihnen. Die Auferstehung ist kein Symbol, sondern ein Ereignis, das die Welt verändert hat.
Und was bedeutet das für uns? – Es heißt, dass kein Grab unserer Seele mehr endgültig ist. Dass keine Nacht so dunkel bleibt, dass Christus sie nicht durchbrechen könnte. Die Auferstehung ist Gottes Zusage an uns, dass unser Leben nicht im Vorläufigen endet, sondern im Vollendeten. Sie ruft uns hinein in eine Hoffnung, die stärker ist als Schuld, Leid und Tod. Wer dem Auferstandenen begegnet, begegnet dem, der sagt: „Fürchte dich nicht.“ Seine Auferstehung ist der Anfang unserer eigenen – schon jetzt, im neuen Leben, das er schenkt, und einst in der Herrlichkeit, die kommt.
„Aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters.“ Christus ist nicht im Grab geblieben, und er ist auch nicht einfach auf Erden weitergewandert. Er ist erhöht worden zur Rechten Gottes. Das bedeutet: Er herrscht. „Ihm ist alle Macht gegeben im Himmel und auf Erden“, wie er selbst in Matthäus 28,18 sagt. Er sitzt zur Rechten Gottes, das heißt, er teilt die Herrschaft des Vaters. Er ist unser Fürsprecher, unser Hoherpriester, wie der Hebräerbrief 7,25 bezeugt: „Deshalb kann er auch alle, die durch ihn in Gottes Nähe kommen, vollständig retten. Denn er lebt für immer und tritt für sie ein.“
Seine Erhöhung bedeutet: Der, der unsere Schwachheit getragen hat, trägt nun die Herrschaft. Der, der unter uns litt, regiert nun über uns – nicht fern, nicht unbeteiligt, sondern als der, der unsere Wunden kennt. Von der Rechten des Vaters her lenkt er die Geschichte, nicht mit der Macht der Gewalt, sondern mit der Macht seiner durchbohrten Hände. Dort tritt er für uns ein, dort spricht er unsern Namen, dort hält er uns fest, wenn unsere eigene Treue versagt. Seine Herrschaft ist kein drohendes Regiment, sondern die Königsherrschaft des Gekreuzigten, der uns nicht loslässt. Wer bekennt, dass Christus erhöht ist, bekennt zugleich: Unser Leben ist geborgen in dem, der über allem steht und doch unser Bruder geblieben ist.
„Von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Die Geschichte ist nicht zu Ende. Christus wird wiederkommen, nicht als das Kind in der Krippe, nicht als der Leidende am Kreuz, sondern als der Richter. Apostelgeschichte 1,11 sagt: „Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ Das Gericht ist keine Drohung für die, die in Christus sind, sondern eine Verheißung, dass Gerechtigkeit geschehen wird, dass alles Unrecht gesühnt, alles Leid getröstet, alle Tränen abgewischt werden.
Sein Kommen zum Gericht bedeutet: Die Welt bleibt nicht im Ungeklärten. Alles, was verborgen war, wird ans Licht gebracht – nicht um zu vernichten, sondern um zu heilen und zurechtzubringen. Der Richter, der kommt, ist derselbe, der für uns gestorben ist; seine Wunden sprechen lauter als unsere Anklagen. Wo er richtet, da schafft er Wahrheit; wo er erscheint, da weicht die Lüge. Sein Gericht ist die große Wiederherstellung: das Ende aller Gewalt, die Entmachtung des Bösen, die Aufrichtung des Rechts, das so oft mit Füßen getreten wurde. Wer auf seine Wiederkunft hofft, hofft nicht auf Vergeltung, sondern auf Vollendung – darauf, dass die Welt endlich so wird, wie Gott sie gedacht hat.
„Ich glaube an den Heiligen Geist.“ Nach dem Bekenntnis zu Gott dem Vater und dem Sohn folgt nun das Bekenntnis zum Heiligen Geist. Der Geist ist nicht eine unpersönliche Kraft, sondern die dritte Person der göttlichen Dreieinigkeit. Er ist es, der uns lebendig macht, der uns zum Glauben führt, der uns tröstet und heiligt. Jesus sagt in Johannes 16,13: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten.“ Ohne den Heiligen Geist könnten wir nicht glauben, nicht beten, nicht Christus erkennen.
Der Heilige Geist bleibt für uns das größte Geheimnis Gottes – verborgen und doch wirksam, unsichtbar und doch unverkennbar. Er ist der Atem Gottes, der unsere toten Winkel erhellt, der uns an Christus bindet, wenn unser eigener Glaube schwach wird. Wo er wirkt, da entsteht Leben, das wir uns nicht selbst geben können: Trost mitten in der Angst, Mut mitten in der Schwachheit, Gewissheit mitten im Zweifel. Der Geist führt nicht in sich selbst hinein, sondern immer zu Christus hin; er öffnet das Herz für das Wort, er entzündet die Liebe, er schafft Gemeinschaft, wo wir voneinander entfremdet sind. Seine Gegenwart ist leise, aber mächtig – wie ein Licht, das nicht von uns kommt und doch in uns brennt.
„Die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen.“ Die Kirche ist nicht ein Verein, nicht eine Organisation, sondern die Gemeinschaft derer, die durch den Glauben an Christus geheiligt sind. Paulus nennt sie in Epheser 1,22-23 den Leib Christi: „Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles, welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.“ Wir sind nicht allein im Glauben, sondern eingebunden in eine Gemeinschaft, die über alle Zeiten und Orte hinweg reicht. Diese Gemeinschaft ist heilig, nicht weil ihre Glieder vollkommen wären, sondern weil sie durch Christus geheiligt sind.
Die Kirche ist der Ort, an dem Christus sein Werk fortsetzt – nicht durch Macht, sondern durch Wort und Sakrament, nicht durch äußeren Glanz, sondern durch die stille Treue derer, die ihm nachfolgen. In ihr sammelt er Menschen, die von sich aus niemals zusammengefunden hätten, und macht sie zu Gliedern eines einzigen Leibes. Darum ist Gemeinde kein optionaler Zusatz zum Glauben, sondern der Raum, in dem der Glaube atmet, wächst und getragen wird. Hier wird gebetet, wo einer allein verstummt wäre; hier wird geglaubt, wo einer allein verzagt hätte; hier wird vergeben, wo einer allein verhärtet wäre. Die Gemeinschaft der Heiligen ist ein Geschenk – und zugleich ein Auftrag, einander zu tragen, zu ermahnen, zu trösten und gemeinsam auf Christus hin zu leben.
„Vergebung der Sünden.“ Das ist die große Gabe, die die Kirche verkündigt und austeilt. In Christus haben wir Vergebung, völlige, bedingungslose Vergebung. 1. Johannes 1,9 verheißt: „Wenn wir aber unsre Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und reinigt uns von aller Ungerechtigkeit.“ Diese Vergebung ist kein billiger Trost, sondern teuer erkauft durch das Blut Christi.
Vergebung der Sünden heißt: Die Last, die wir nicht mehr tragen können, wird uns abgenommen. Nicht, weil sie gering wäre, sondern weil Christus sie getragen hat. Seine Vergebung spricht uns frei von dem, was uns anklagt – von gestern, von heute, von dem, was wir selbst nicht mehr aussprechen können. Sie ist kein moralischer Freispruch, sondern ein neues Herz, ein neuer Anfang, ein neues Leben. Wo Vergebung geschieht, da wird der Mensch nicht beschönigt, sondern erneuert; nicht entschuldigt, sondern erlöst. Darum ist die Vergebung das Herz des Evangeliums: Sie macht aus Schuldigen Geliebte, aus Zerbrochenen Aufgerichtete, aus Verlorenen Heimgekehrte.
„Auferstehung der Toten und das ewige Leben.“ Das Bekenntnis endet nicht im Tod, sondern in der Ewigkeit. Wir glauben nicht an ein Weiterleben der Seele im Sinne der griechischen Philosophie, sondern an die Auferstehung des Leibes. Christus ist der Erstling der Entschlafenen, sagt Paulus in 1. Korinther 15,20, und wie er auferstanden ist, so werden auch wir auferstehen. Das ewige Leben ist nicht eine endlose Fortsetzung dieses Lebens, sondern Leben in der unmittelbaren Gegenwart Gottes, wo keine Träne mehr sein wird, kein Leid, kein Geschrei, keine Schmerzen mehr, wie Offenbarung 21,4 verheißt.
Die Auferstehung der Toten und das ewige Leben bleiben für uns ein Geheimnis, größer als jedes Bild, das wir uns davon machen können. Doch gerade in dieser Unbegreiflichkeit liegt der Trost: Unser zukünftiges Leben hängt nicht an unserer Vorstellungskraft, sondern an Gottes Verheißung. Was wir jetzt nur ahnen, wird einst offenbar werden – ein Leben, das nicht mehr vom Zerfall gezeichnet ist, ein Leib, der nicht mehr der Vergänglichkeit unterliegt, ein Dasein, das ganz von Gottes Licht durchdrungen ist. Die Ewigkeit ist kein endloses Weiterlaufen der Zeit, sondern die Erfüllung aller Sehnsucht: vollkommenes Heil, vollendete Gemeinschaft, ungetrübte Freude. Wir gehen nicht ins Ungewisse, sondern in die Hände dessen, der uns geschaffen, erlöst und geheiligt hat.
„Amen.“ So schließt das Bekenntnis. Amen heißt: So ist es, so sei es. Es ist die Zustimmung des Glaubenden, das Ja zu all dem, was bekannt wurde. Es ist kein Zweifel mehr, kein Vorbehalt, sondern das feste Vertrauen: Das ist wahr, darauf baue ich mein Leben, dafür lebe ich, dafür sterbe ich.
Das Apostolische Glaubensbekenntnis ist keine Formel, die man auswendig lernt und dann vergisst. Es ist das Fundament, auf dem wir stehen, der Fels, der nicht wankt, wenn die Stürme kommen. In einer Zeit, in der so vieles unsicher geworden ist, in der Wahrheiten relativiert werden und Überzeugungen schwanken, ist dieses Bekenntnis ein Anker. Es erinnert uns daran, woran wir glauben und warum wir glauben. Es verbindet uns mit den Generationen vor uns und nach uns. Es ist ein Schatz, den wir bewahren und weitergeben sollen und müssen.
Wer dieses Bekenntnis spricht, steht nicht allein. Er steht in der großen Schar der Zeugen, die Hebräer 12,1 die Wolke der Zeugen nennt. Er steht mit den Aposteln, mit den Märtyrern, mit den Reformatoren, mit allen, die den guten Kampf gekämpft haben und den Glauben bewahrt haben. Und er steht vor Gott, nicht in eigener Gerechtigkeit, sondern in der Gerechtigkeit Christi, die uns geschenkt ist durch den Glauben.
Gerade heute, in einer Welt voller Stimmen, die einander widersprechen, ist dieses Bekenntnis unverzichtbar. Wir brauchen keine neuen Worte, keine modernen Ersatzformeln, keine weichgespülten Alternativen. Das Apostolische Glaubensbekenntnis enthält alles, was wir zum Leben und zum Sterben brauchen: den Schöpfer, den Erlöser, den Heiligen Geist, die Kirche, die Vergebung, die Auferstehung, die Ewigkeit. Es ist die Summe des Evangeliums in konzentrierter Form. Darum sollen wir es nicht nur denken, sondern sprechen – laut, hörbar, mutig. Denn wer bekennt, der stellt sich unter Gottes Wahrheit und gegen die Lüge der Zeit.
In einer Epoche, in der vieles zerfließt, ist dieses Bekenntnis ein fester Grund – nicht Sand, der unter den Füßen nachgibt, sondern ein Fundament aus Stahl und Beton. Es trägt, wenn alles andere bricht. Es bleibt, wenn Meinungen wechseln und Stimmungen kippen. Dieses Bekenntnis ist nicht Menschenwort, das vergeht, sondern verdichtete Wahrheit, die Generationen getragen hat. Wer darauf baut, baut nicht auf sich selbst, sondern auf Gottes Offenbarung. Darum sprechen wir es nicht leise und zögerlich, sondern klar und mutig: als Menschen, die wissen, dass ihr Halt nicht aus ihnen selbst kommt, sondern aus dem, der gestern und heute derselbe ist und in Ewigkeit bleibt.
Möge dieses Bekenntnis unser Trost sein in Leben und Sterben, unser Licht in dunklen Tagen, unsere Hoffnung, wenn alles wankt. Möge es uns stärken, wenn wir zweifeln, und aufrichten, wenn wir fallen. Denn es ist nicht unser Wort, sondern Gottes Wort, nicht unsere Wahrheit, sondern die Wahrheit, die uns frei macht.
Gott befohlen. Pater Berndt
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