Es ist ein schlichtes Zeichen: Wasser, im Namen des dreieinigen Gottes gesprochen. Doch in diesem Moment geschieht Unfassbares. Ein Mensch wird hineingenommen in den Tod und die Auferstehung Christi, wird Kind Gottes, Erbe des Himmels. Die Taufe ist kein bloßes Ritual – sie ist Gottes verbindliche Zusage, die trägt bis in die Ewigkeit.

Das Sakrament der heiligen Taufe

Matthäus 28,18–20: „Mir ist alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben. Darum geht hin und macht alle Völker zu Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu halten, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Welt.“

Es war ein Berg in Galiläa, an einem Morgen nach der Auferstehung. Die Luft war klar, der Himmel weit, und die elf Jünger standen dort, wo Jesus sie hinbestellt hatte. Matthäus berichtet in Kapitel 28 schlicht und doch gewaltig von dieser Begegnung. Die Jünger sahen ihn, den Auferstandenen, und sie fielen nieder und beteten ihn an. Einige von ihnen zweifelten noch, heißt es in Vers 17, doch dann trat Jesus näher und sprach Worte, die die Weltgeschichte veränderten: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Das war kein Abschied im gewöhnlichen Sinne. Es war eine Einsetzung. Jesus, der alle Macht hat, der den Tod besiegt und die Sünde überwunden hat, sendet seine Jünger aus mit einem klaren Auftrag: Geht hin und macht alle Völker zu Jüngern. Und das Werkzeug, das er ihnen dazu gibt, ist nicht menschliche Überredungskunst, nicht Macht oder politischer Einfluss, sondern ein Sakrament: die heilige Taufe.

Die Taufe ist Gottes Handeln an uns Menschen. Das ist das Erste und Wichtigste, was wir verstehen müssen. Die Taufe ist kein menschliches Werk, keine religiöse Zeremonie, die wir vollziehen, um Gott etwas zu zeigen oder um unsere Frömmigkeit zu beweisen. Die Taufe ist Gottes Werk. Er handelt durch das Wasser und das Wort. Er nimmt den Menschen hinein in seinen Bund, in seine Gnade, in das Leben Christi. Martin Luther schreibt im Kleinen Katechismus: „Die Taufe ist nicht allein schlecht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden.“ Das Wasser allein tut es nicht, sondern das Wort Gottes, das mit und bei dem Wasser ist, und der Glaube, der solchem Worte Gottes im Wasser vertraut.

Jesus befiehlt, zu taufen auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das ist keine Formel unter vielen, sondern die einzige rechte Form der christlichen Taufe. Der Name des dreieinigen Gottes wird über dem Menschen ausgesprochen. Das bedeutet: Dieser Mensch gehört nun Gott. Er ist sein Eigentum, sein Kind, sein Erbe. Der Name bezeichnet in der Bibel immer das Wesen, die Person selbst. Wenn wir auf den Namen des Vaters getauft werden, dann werden wir hineingenommen in die Vaterschaft Gottes. Wenn wir auf den Namen des Sohnes getauft werden, dann werden wir eins mit Christus, mit seinem Tod und seiner Auferstehung. Wenn wir auf den Namen des Heiligen Geistes getauft werden, dann empfangen wir den Geist, der in uns wohnt, der uns erneuert, der uns heiligt.

Paulus entfaltet diese Wahrheit in Römer 6,3–4: „Oder wisst ihr nicht, dass alle von uns, die auf Christus Jesus getauft wurden, in seinen Tod eingetaucht worden sind? Durch das Eintauchen in den Tod sind wir also mit Christus zusammen begraben worden, damit so, wie Christus durch die herrliche Macht des Vaters von den Toten auferweckt wurde, wir nun ebenfalls in dieser neuen Wirklichkeit leben.“ Die Taufe verbindet uns mit Christus. Was ihm geschehen ist, das geschieht symbolisch und real auch uns. Wir sterben mit ihm, wir werden mit ihm begraben, wir stehen mit ihm auf zu einem neuen Leben. Das ist keine bloße Symbolik, sondern geistliche Wirklichkeit. In der Taufe wird der alte Mensch ertränkt, der Mensch der Sünde, der Rebellion, der Gottesferne. Und aus dem Wasser erhebt sich der neue Mensch, der Mensch in Christus, der Gerechtigkeit, der Heiligung, der Gottesgemeinschaft.

Diese Wahrheit ist so gewaltig, dass wir sie kaum fassen können. Ein kleines Kind wird getauft, und in diesem Augenblick geschieht etwas Ewiges. Gott spricht zu diesem Kind: Du gehörst mir. Ich habe dich erlöst. Ich habe dich angenommen. Du bist mein Kind. Das Kind versteht es nicht. Es kann nichts dazu beitragen. Es kann nicht glauben im Sinne bewusster Entscheidung. Und doch handelt Gott an ihm. Das ist Gnade in reinster Form. Gnade bedeutet: Gott kommt zu uns, bevor wir zu ihm kommen können. Er liebt uns, bevor wir ihn lieben. Er rettet uns, bevor wir auch nur wissen, dass wir verloren sind.

Die Heilige Schrift bezeugt klar die Kindertaufe. In Apostelgeschichte 16,14-15 lesen wir von Lydia: „Eine dieser Frauen hieß Lydia. Das war eine Purpurhändlerin aus Thyatira. Sie glaubte an den Gott Israels. Der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie gut zuhörte und bereitwillig aufnahm, was Paulus sagte. Später ließ sie sich mit allen, die in ihrem Haus lebten, taufen. Danach lud sie uns ein und sagte: „Wenn ihr wirklich überzeugt seid, dass ich an den Herrn glaube, dann kommt in mein Haus und seid meine Gäste.“ Sie nötigte uns geradezu.“

In Apostelgeschichte 16,33 heißt es vom Kerkermeister zu Philippi: „Und er ließ sich und alle die Seinen sogleich taufen.“ Ganze Häuser wurden getauft, was nach damaligem Verständnis selbstverständlich die Kinder mit einschloss. Jesus selbst sagt in Markus 10,14: „Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen nicht; denn solchen gehört das Reich Gottes.“ Die Kinder gehören zum Reich Gottes, nicht erst, wenn sie erwachsen sind und sich entscheiden können, sondern jetzt, weil Gott sie hineinruft, weil er sie beruft, weil er sie liebt.

Es gibt Stimmen, die sagen, die Taufe sei nur ein äußeres Zeichen, ein Bekenntnis des Glaubens, das wir ablegen. Doch die Heilige Schrift sagt etwas anderes. In 1. Petrus 3,21 heißt es: „Das ist ein Gegenbild für die Taufe, die jetzt auch euch rettet. In einer Taufe wird nicht der körperliche Schmutz abgewaschen. Sie ist vielmehr die an Gott gerichtete Bitte um ein gutes Gewissen. Sie rettet uns durch die Auferstehung von Jesus Christus“

Die Taufe rettet. Nicht das Wasser an sich, sondern die Taufe als Gottes Gnadenhandeln, verbunden mit dem Glauben. In Apostelgeschichte 2,38 ruft Petrus den Menschen zu: „Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.“ Nun kommt der Einwand, Säuglinge könnten keine Buße tun, weil sie noch nicht verstehen.

Doch dieser Einwand verkennt, dass die Heilige Schrift Buße nicht zuerst als eine intellektuelle Leistung, sondern als ein Wirken Gottes beschreibt. Buße ist nicht primär ein rationales Verstehen, sondern ein Herzenswandel, den der Heilige Geist wirkt. Wenn Gott in Hesekiel 36,26 verheißt: „Ich will euch ein neues Herz geben und einen neuen Geist in euch legen“, dann ist das kein Appell an die menschliche Fähigkeit, sondern ein Zuspruch göttlichen Handelns. Wenn die Taufe ein Gnadenmittel ist, durch das Gott neues Leben schenkt, warum sollte er dieses neue Leben den Kleinsten verweigern?

Gerade die Kinder sind doch die, die nichts vorzuweisen haben, die nichts leisten können, die ganz und gar auf Gnade angewiesen sind. Und genau darum sind sie die ersten, die Christus in seine Arme nimmt.

Deshalb ist die Säuglingstaufe biblisch, weil sie genau diesem Verständnis entspricht: Gott handelt zuerst, nicht wir. Die Taufe ist kein Werk des Menschen, sondern ein Geschenk Gottes, das uns in den Bund seiner Gnade hineinholt. Wenn die Heilige Schrift bezeugt, dass ganze Häuser getauft wurden, dass Kindern das Reich Gottes gehört und dass die Taufe rettet, dann ist es nur folgerichtig, dass auch die Kleinsten dieses Heil empfangen. Nicht weil sie verstehen, sondern weil Gott versteht; nicht weil sie leisten, sondern weil Christus sie ruft; nicht weil sie etwas bringen, sondern weil er ihnen alles schenkt.

Um Missverständnisse auszuräumen: Die Taufe ohne Glauben rettet nicht; der gläubige Empfang des Heiligen Geistes muss hinzutreten. Und dennoch bleibt es Gottes Gnade und Gottes Handeln.

Ist das nicht ein Widerspruch? Einmal rettet die Taufe; dann wieder nicht, wenn der Glaube fehlt? Nur scheinbar.

Denn die Taufe rettet nicht wie ein Automatismus, nicht wie ein magisches Ritual, das unabhängig vom Herzen wirkt. Sie rettet, weil Gott sich an sie gebunden hat. Aber der Mensch empfängt dieses Geschenk nur im Glauben. Die Taufe ist wie eine ausgestreckte Hand Gottes – voller Gnade, voller Verheißung, voller Kraft. Doch eine ausgestreckte Hand nützt nichts, wenn sie nicht ergriffen wird. Nicht weil die Hand schwach wäre, sondern weil das Herz verschlossen bleibt. So bleibt beides wahr: Die Taufe ist Gottes wirksames Handeln – und der Glaube ist das geöffnete Herz, das dieses Handeln annimmt. Kein Widerspruch, sondern das Zusammenspiel von Gnade und Vertrauen, von Gottes Werk und menschlichem Empfangen.

Die Taufe schenkt Vergebung der Sünden. Das ist ihre erste große Gabe. Wir werden geboren in Sünde, wie Psalm 51,7 bekennt: „Siehe, ich bin als Sünder geboren, und meine Mutter hat mich in Sünden empfangen.“ Wir sind von Natur aus getrennt von Gott, unter seinem Zorn, verloren. Doch in der Taufe wird uns Vergebung geschenkt. Die Schuld wird abgewaschen. Nicht weil wir es verdienen, nicht weil wir etwas geleistet haben, sondern weil Christus für uns gestorben ist und sein Tod für uns gilt. Die Taufe ist die persönliche Anwendung dessen, was Christus am Kreuz für die ganze Welt getan hat. Dort am Kreuz hat er für alle Sünde bezahlt. In der Taufe wird uns diese Bezahlung zugesprochen: Für dich ist Christus gestorben. Für dich hat er geblutet. Für dich ist er auferstanden.

Die zweite große Gabe der Taufe ist der Heilige Geist. Petrus verheißt in Apostelgeschichte 2,38, dass die Getauften die Gabe des Heiligen Geistes empfangen. Der Geist Gottes kommt in der Taufe in den Menschen hinein und nimmt Wohnung in ihm. Paulus schreibt in 1. Korinther 6,19: „Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt?“ Der Heilige Geist wohnt in den Gläubigen, und diese Gabe beginnt mit der Taufe. Der Geist wirkt den Glauben, er erneuert uns, er heiligt uns, er tröstet uns, er lehrt uns, er führt uns.

Die dritte große Gabe der Taufe ist die Kindschaft Gottes. In Galater 3,26–27 schreibt Paulus: „Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus. Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen.“ Durch die Taufe werden wir Kinder Gottes. Nicht biologisch natürlich, sondern geistlich. Wir werden hineingenommen in die Familie Gottes. Wir dürfen Gott Vater nennen. Wir sind Miterben Christi, wie Römer 8,17 sagt: „Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi.“ Alles, was Christus gehört, das gehört auch uns: das ewige Leben, die Herrlichkeit, das Reich Gottes.

Doch hier erheben viele erneut den Einwand, Säuglinge hätten noch keinen Glauben und könnten Christus nicht bekennen. Aber auch hier spricht die Heilige Schrift anders: Glaube ist nicht zuerst ein Werk des Verstandes, sondern ein Geschenk des Heiligen Geistes, der „weht, wo er will“ (Johannes 3,8). Wenn Gott uns in der Taufe zu seinen Kindern macht, dann wirkt er auch den Glauben, der diese Kindschaft ergreift. Kinder glauben nicht weniger, sondern anders; nicht reflektiert, sondern vertrauend, so wie sie auch ihren Eltern vertrauen, bevor sie Worte formen können. Und gerade dieses vorbehaltlose Vertrauen ist es, das Jesus den Erwachsenen zum Vorbild stellt.

Die vierte große Gabe der Taufe ist die Zugehörigkeit zur Kirche. In 1. Korinther 12,13 heißt es: „Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft.“ Die Taufe macht uns zu Gliedern am Leib Christi, der die Kirche ist. Wir gehören nicht mehr uns selbst, wir gehören nicht mehr der Welt, wir gehören Christus und seiner Gemeinde. Das ist keine unsichtbare, abstrakte Zugehörigkeit, sondern eine konkrete. Wer getauft ist, gehört zur Gemeinde der Gläubigen, hat Anteil an ihrem Leben, ihrer Freude, ihrem Leiden, ihrem Auftrag.

Darum irrt sich, wer meint, aus der Kirche austreten zu können. Aus der institutionellen Kirche mag man sich abmelden, aber aus der Kirche Jesu Christi kann niemand austreten, der getauft ist. Denn die Taufe macht uns zu Gliedern seines Leibes, und ein Glied kann sich nicht selbst vom Leib trennen, ohne sich selbst zu zerstören. Christus hat uns in seine Gemeinde hineingetauft, nicht als Konsumenten, sondern als Glieder, die einander brauchen, tragen und ergänzen. Die Zugehörigkeit zur Kirche ist kein menschlicher Vertrag, den man kündigen kann, sondern ein göttlicher Bund, den Christus selbst gestiftet hat.

Doch die Taufe ist nicht nur Gabe, sie ist auch Verpflichtung. Wer getauft ist, der ist gerufen, in dieser Taufe zu leben. Paulus ermahnt in Römer 6,11–13: „Auch ihr sollt davon ausgehen, dass ihr für die Sünde tot seid, aber in ‹Verbindung mit› Jesus Christus für Gott lebt. Die Sünde soll euren vergänglichen Körper also nicht mehr beherrschen und euch dazu bringen, seinen Begierden zu gehorchen. Und stellt eure Glieder nicht mehr der Sünde zur Verfügung als Werkzeuge des Unrechts, sondern stellt euch selbst Gott zur Verfügung als Menschen, die vom Tod zum Leben gekommen sind, und bietet ihm eure Glieder als Werkzeuge der Gerechtigkeit an.“

Die Taufe ist der Beginn eines neuen Lebens, und dieses Leben soll gelebt werden. Der alte Mensch soll täglich ertränkt werden mit allen Sünden und bösen Lüsten, und täglich soll ein neuer Mensch hervorkommen, der in Gerechtigkeit und Reinheit lebt. Das ist kein einfacher Weg, gewiss! Die Sünde ist noch da, auch nach der Taufe. Sie hat keine Macht mehr über uns, sagt Paulus in Römer 6,14: „Denn die Sünde wird nicht herrschen können über euch, weil ihr ja nicht unter dem Gesetz seid, sondern unter der Gnade.“

Aber sie ist noch präsent, sie kämpft noch, sie versucht uns zu verführen. Deshalb ist die Taufe nicht ein einmaliges Ereignis, nach dem alles automatisch gut ist. Die Taufe ist der Grund, auf dem wir unser ganzes Leben lang stehen. Luther sagt, dass wir täglich zur Taufe zurückkehren sollen, täglich uns erinnern sollen: Ich bin getauft. Ich gehöre Christus. Die Sünde hat keine Macht mehr über mich. Wenn wir fallen, dann dürfen wir aufstehen in der Kraft der Taufe. Wenn wir versagen, dann dürfen wir umkehren zur Taufe, zu der Zusage, die Gott uns gegeben hat: Du bist mein.

Es gibt auch die Frage nach der Wiedertaufe. Manche meinen, wenn sie als Kind getauft wurden, ohne bewussten Glauben, dann müsse die Taufe wiederholt werden, wenn sie später zum Glauben kommen. Doch die Heilige Schrift kennt keine Wiedertaufe. Die Taufe ist einmalig, weil sie Gottes Handeln ist, nicht unseres. Gott hat einmal gesprochen, einmal sein Siegel auf uns gelegt, und das gilt.

In Epheser 4,5-6 sagt Paulus: „Ihr habt nur einen Herrn, einen Glauben, eine Taufe. Und über allen ist der eine Gott, der Vater von allen, der durch alle und in allen wirkt.“

Es gibt nur eine Taufe, und die gilt. Wenn der Glaube später erwacht, dann ist das nicht der Beginn der Taufe, sondern das Ergreifen dessen, was in der Taufe geschenkt wurde. Die Taufe ist wie ein Testament, das uns vermacht wurde. Wenn wir später anfangen, es zu lesen und zu verstehen, dann wird das Testament nicht neu geschrieben, sondern wir nehmen in Besitz, was längst uns gehört.

Die Taufe steht am Anfang des christlichen Lebens, aber sie trägt bis zum Ende. In den Anfechtungen des Lebens, in den Zweifeln, in den dunklen Stunden dürfen wir zurückkehren zu unserer Taufe und uns sagen: Ich bin getauft. Gott hat mich angenommen. Nichts kann mich trennen von seiner Liebe. Römer 8,38–39 bezeugt: „Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.“ Diese Gewissheit gründet auf der Taufe, auf Gottes verbindlicher Zusage.

Die Taufe ist auch ein Trost im Sterben. Wenn das Leben zu Ende geht, wenn die Kräfte schwinden, wenn die Angst kommt, dann dürfen wir wissen: Ich bin getauft. Ich bin in Christus hineingetauft in seinen Tod und seine Auferstehung. Mein Tod ist nicht das Ende, sondern der Durchgang zum Leben. Paulus schreibt in Philipper 1,21: „Denn Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.“ Wer in Christus getauft ist, der stirbt nicht mehr in sich selbst hinein, sondern in Christus hinein, in das ewige Leben.

Die Taufe verbindet uns mit der ganzen Christenheit. Überall auf der Welt, in allen Konfessionen, die die trinitarische Taufe praktizieren, sind wir verbunden mit Brüdern und Schwestern. Die Taufe ist das Band, das stärker ist als alle Unterschiede in Lehre und Praxis. Wir sind alle auf den einen Namen getauft, den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das schafft eine Gemeinschaft, die tiefer reicht als menschliche Organisation.

Jesus schließt seinen Taufbefehl mit einer Verheißung, die alles trägt: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Er lässt uns nicht allein. Er sendet uns aus, zu taufen und zu lehren, aber er bleibt bei uns. Seine Gegenwart ist die Kraft, die die Kirche trägt, die die Verkündigung wirksam macht, die die Sakramente erfüllt. Wo getauft wird, da ist Christus gegenwärtig. Wo das Evangelium verkündigt wird, da ist Christus am Werk. Er ist nicht fern, nicht abwesend, sondern nahe, bei uns, in uns, durch uns.

Diese Zusage gilt bis an das Ende der Welt. Sie gilt heute genauso wie damals auf dem Berg in Galiläa. Sie gilt für jeden, der getauft wird, für jedes Kind, für jeden Erwachsenen. Gottes Treue endet nicht. Seine Gnade hört nicht auf. Sein Wort bleibt bestehen. Die Taufe ist das sichtbare Zeichen dieser unwandelbaren Treue Gottes. Sie sagt uns: Gott steht zu seinem Wort. Was er zusagt, das hält er. Wen er annimmt, den lässt er nicht mehr los.

Darum lasst uns festhalten an unserer Taufe. Lasst uns täglich zu ihr zurückkehren, uns ihrer erinnern, aus ihr leben. Lasst uns die Kinder zur Taufe bringen, damit sie von Anfang an unter dem Segen Gottes stehen. Lasst uns das Evangelium verkünden, damit Menschen zum Glauben kommen und die Taufe empfangen, die sie rettet. Und lasst uns leben als solche, die Christus gehören, die sein Eigentum sind, die seinen Namen tragen.

Gerade deshalb darfst du als Sünder zur Taufe kommen; nicht erst, wenn du Buße getan hast, sondern damit du Buße tun kannst. Die Taufe ist nicht der Lohn der Bekehrten, sondern der Anfang des neuen Lebens. Sie ist nicht die Krönung menschlicher Reue, sondern der Ort, an dem Gott den Sünder annimmt, reinigt und erneuert. Wer meint, erst ein bestimmtes Maß an Einsicht, Reue oder geistlicher Reife mitbringen zu müssen, verkehrt das Evangelium ins Gegenteil. Christus ruft uns nicht, weil wir würdig wären, sondern damit er uns würdig mache. Darum ist die Taufe der Ort, an dem der Sünder beginnt; nicht der Ort, an dem der Gerechte endet.

Die heilige Taufe ist Gottes kostbarstes Geschenk nach der Gabe seines Sohnes. In ihr wird uns alles geschenkt, was Christus erworben hat: Vergebung, Leben, Seligkeit. In ihr werden wir hineingenommen in die Gemeinschaft des dreieinigen Gottes. In ihr empfangen wir das Siegel, das uns als Gottes Eigentum kennzeichnet für Zeit und Ewigkeit. Niemand kann dieses Siegel auslöschen, niemand kann uns entreißen der Hand Gottes. Wir sind getauft, und das bedeutet: Wir sind gerettet.

Gott befohlen. Pater Berndt