Die Frage nach der Taufe berührt das Herz des Evangeliums. Zwischen Gnade und Symbol steht die entscheidende Frage: Wer handelt in der Taufe – Gott oder der Mensch?
Die Frage nach der Taufe ist keine Randnotiz der christlichen Lehre, sondern berührt das Zentrum des Evangeliums. Sie entscheidet, ob wir Gott als den Handelnden anerkennen oder ob wir das Heil letztlich in die Hände des Menschen legen.
In vielen freikirchlichen Traditionen wird die Taufe als äußeres Zeichen verstanden, als sichtbare Bestätigung einer bereits getroffenen Entscheidung. Doch diese Sichtweise steht im deutlichen Widerspruch zu dem, was die Heilige Schrift selbst bezeugt. Jesus selbst spricht in Markus 16,16 mit einer Schlichtheit, die kaum Raum für Umdeutungen lässt: „Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“
Einige Beispiele aus der Kirchengeschichte: Sowohl der Kleine als auch der Große Katechismus Martin Luthers nehmen Bezug auf diesen Vers. Noch in der gegenwärtigen Taufspende der meisten Landeskirchen in Deutschland muss dieser Bibelvers aus Markus 16,16 vorgelesen werden. Und ganz am Anfang der jungen Täuferbewegung heißt es im sogenannten Schleitheimer Bekenntnis von 1527 unter Bezugnahme auf Markus 16,16: „Die Taufe soll all denen gegeben werden, die über die Buße und Änderung des Lebens belehrt worden sind und wahrhaftig glauben … und allen denen, die es in solcher Meinung von uns begehren und von sich selbst aus fordern.“
Damit wird deutlich, dass die frühe Täuferbewegung die Taufe ausschließlich als bewusste Entscheidung des bereits gläubigen Menschen verstand. Sie sah in der Taufe keinen Ort des göttlichen Handelns, sondern eine Handlung, die der Mensch aus eigener Einsicht und eigenem Willen vollzieht. Die Taufe wird hier nicht als Gnadenmittel verstanden, sondern als Ausdruck eines bereits vorhandenen Glaubens – ein Ansatz, der sich bewusst von der altkirchlichen und biblischen Sicht der Taufgnade absetzt.
Wenden wir uns dem Vers Markus 16,16 zu: Christus spricht hier nicht als Philosoph, nicht als Lehrer einer beliebigen Weltanschauung. Er spricht als der Auferstandene, als der, der den Tod überwunden hat und nun seine Jünger in die Welt sendet. „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur“ (Markus 16,15) – das ist der unmittelbare Kontext. Die Kirche wird ausgesandt. Und mit dieser Sendung kommt eine Botschaft, die ernst ist, die Gewicht hat, die nicht gleichgültig lässt.
Der Glaube ist kein bloßes Fürwahrhalten, kein intellektuelles Nicken zu einer Lehre. Glaube ist Begegnung. Glaube ist das Ja zu einem Du, zu Christus selbst, der in unser Leben tritt und uns verwandelt. „Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir“ (Galater 2,20), schreibt Paulus, und genau davon ist hier die Rede. Glaube bedeutet, dass wir Christus Raum geben, dass wir ihn nicht nur anerkennen, sondern ihm unser Herz öffnen, unsere Schuld, unsere Hoffnung, unser ganzes Sein.
Und dieser Glaube ist unlösbar mit der Taufe verbunden. Nicht, weil Gott an Riten gebunden wäre. Sondern weil er selbst diese Zeichen gegeben hat, weil er in ihnen wirkt. Die Taufe ist kein bloßes Symbol. Sie ist das Sakrament der Wiedergeburt, das Bad der Erneuerung im Heiligen Geist (Titus 3,5). In der Taufe werden wir in Christi Tod und Auferstehung hineingenommen. „Wisset ihr nicht, dass alle, die wir in Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?“ (Römer 6,3). Wir sterben dem alten Menschen, und ein neuer Mensch ersteht, der in Christus lebt.
Was sagt nun Markus 16,16 genau:
1). Gott rettet diejenigen aus der Verlorenheit, die glauben und getauft werden. Das Passiv „der wird gerettet werden“ drückt nämlich das Handeln Gottes aus. Es macht deutlich, dass der Mensch hier nicht der Handelnde ist, sondern der Empfangende. Die Rettung geschieht nicht durch menschliche Entscheidung oder Leistung, sondern durch Gottes wirksame Gnade, die im Glauben und in der Taufe zugesprochen wird.
2.) Beides ist notwendig, sowohl das „Glauben“ als auch das „Getauft-Werden!“ Der Hebräerbrief lehrt: „Ohne Glauben ist es nicht möglich, Gott zu gefallen“ (Hebräer 11,6). Dasselbe sagt auch das ganze Neue Testament (siehe Apostelgeschichte 16,31; Römer 3,28, Kapitel 5,1; Kapitel 10,10; Galater 3,26; 1.Petrus 1,5; Offenbarung 13,10). Von daher ist es klar, dass Getaufte nicht schon deshalb, weil sie getauft wurden, das ewige Leben bekommen. Notwendig ist vielmehr der Glaube an Jesus. Das heißt: Die Taufe allein ohne Glauben ist und bleibt wirkungslos; erst dort, wo der Glaube an Jesus hinzukommt, entfaltet die Taufe ihre ganze heilsrelevante Wirklichkeit.
Aber warum dann noch die Taufe? Weil die Nachfolge Jesu nicht nur innerlich geschieht, sondern auch äußerlich sichtbar werden soll und muss. Das tritt besonders im Zusammenhang des Missionsbefehls zutage. Solange jemand interessiert den Gottesdienst besucht, kann man vielerorts noch mit Duldung rechnen. Doch in dem Augenblick, in dem die Betreffenden getauft werden, wird ein endgültiger Schritt getan – ein Schritt, der unter Umständen das Tischtuch zur Familie, zur Sippe oder zur Dorfgemeinschaft zerschneidet. Die Taufe ist nicht nur ein persönliches Bekenntnis, sondern ein öffentliches Zeichen der Zugehörigkeit zu Christus, das Konsequenzen hat.
Paulus beschreibt diese Verbindung von innerem Glauben und äußerem Bekenntnis in Römer 10,9–10: „Denn wenn du mit deinem Munde bekennst, dass Jesus der Herr ist, und in deinem Herzen glaubst, dass ihn Gott von den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet. Denn wenn man von Herzen glaubt, so wird man gerecht; und wenn man mit dem Munde bekennt, so wird man gerettet.“ Auch hier wird beides angesprochen: die innere Verbindung mit Jesus (der Glaube) und das äußere Sichtbarwerden dieser Verbindung (das Bekenntnis). Der Glaube bleibt nicht verborgen, sondern drängt nach außen, weil er sich an Christus bindet und sich zu Christus stellt.
So verhält es sich auch mit der Taufe. Sie ist nicht Ersatz für den Glauben und nicht seine Konkurrenz, sondern seine sichtbare Gestalt. Der Glaube empfängt Christus, die Taufe bezeugt Christus. Der Glaube verbindet uns innerlich mit dem Herrn, die Taufe stellt uns äußerlich in seine Nachfolge. Beides gehört zusammen, weil beides aus derselben Quelle kommt: aus dem Ruf Jesu, der uns in die Gemeinschaft mit ihm hineinzieht – im Herzen und im Leben, im Verborgenen und im Sichtbaren.
Nun ist die Frage: Ist die Taufe dann heilsnotwendig? Die Heilige Schrift antwortet darauf mit einer feinen, aber entscheidenden Unterscheidung. Nicht die Taufe an sich rettet, als wäre sie ein magischer Ritus, sondern Gott rettet in der Taufe den Glaubenden. Die Taufe ist also nicht die Ursache des Heils, sondern der von Christus eingesetzte Ort, an dem seine Gnade zugesprochen und empfangen wird.
Darum kann man nicht sagen, die Taufe sei überflüssig, aber ebenso wenig, sie wirke unabhängig vom Glauben. Sie ist heilsnotwendig in dem Sinne, dass Christus sie als Weg seiner Zuwendung bestimmt hat – und zugleich bleibt der Glaube notwendig, damit dieses Geschenk nicht leer an uns vorübergeht.
Glaube und Taufe gehören zusammen wie Zuspruch und Empfang, wie Gabe und Aneignung. Wer glaubt, sucht die Taufe; und wer getauft wird, wird eingeladen, im Glauben zu leben. Beide Wirklichkeiten sind nicht gegeneinander auszuspielen, sondern als Einheit zu verstehen, die Christus selbst gestiftet hat.
Aber was ist mit dem zweiten Teil des Verses? „Wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden.“ Diese Worte machen uns unruhig. Sie sollten es auch. Denn sie sprechen von einer Realität, die wir gern verdrängen: dass es nicht gleichgültig ist, wie wir leben, was wir wählen, ob wir uns Christus öffnen oder verschließen. Gott zwingt niemanden. Die Liebe erzwingt nichts. Aber sie lädt ein, sie ruft, sie wartet. Und der Mensch kann antworten – oder schweigen.
Die Worte Jesu sind klar: Es gibt eine Verdammnis. Gegen diese Aussage hat die Aufklärung bis heute heftig protestiert, doch sie konnte die biblischen Zeugnisse nicht aus der Welt schaffen. Die Heilige Schrift spricht von einem göttlichen Urteil, nicht von einer menschlichen Selbstverurteilung. Das Passiv „verdammt werden“ zeigt erneut, dass hier Gottes Handeln gemeint ist – ein Urteil, das nicht willkürlich ist, sondern aus der Wahrheit Gottes hervorgeht.
Auch an anderer Stelle stimmt das gesamte Neue Testament überein (siehe Johannes 3,16; Kapitel 3,36; Römer 3,25; 1.Korinther 1,18; 2.Korinther 4,3).
Dass in der zweiten Hälfte von Markus 16,16 nur noch vom Glauben, aber nicht mehr von der Taufe gesprochen wird, ist ein Hinweis darauf, dass a) der Glaube im Verhältnis zur Taufe das noch Wichtigere ist, und b) ein Abfall vom Glauben nach der Taufe ebenfalls die Verdammnis mit sich bringt (vgl. Hebräer 6,4). Demnach wird auch derjenige gerettet, der ohne eigenes Verschulden die Taufe nicht mehr empfangen konnte, aber im Glauben stand, als er starb.
Aber ist das nicht ein Widerspruch zur Bedeutung der Taufe? Nein – und gerade der Text selbst zeigt, warum. Jesus nennt zuerst Glaube und Taufe gemeinsam, weil beide zusammengehören wie Zuspruch und Empfang. Doch im zweiten Satzteil erwähnt er nur noch den Glauben, weil niemand aufgrund fehlender Taufe verdammt wird, sondern aufgrund fehlenden Glaubens. Die Taufe rettet nicht unabhängig vom Glauben, und der Glaube rettet nicht unabhängig von Christus. Die Taufe ist der von Christus eingesetzte Ort seiner Gnade, aber sie ist kein Automatismus.
Der vermeintliche Widerspruch löst sich, wenn man erkennt: Die Taufe ist heilsnotwendig der Ordnung nach, aber nicht der Möglichkeit nach. Das heißt: Christus hat sie (die Taufe) als Weg seiner Zuwendung bestimmt, aber er bindet sich nicht so an die äußere Handlung, dass er dem Glaubenden die Rettung verweigern würde, wenn die Taufe aus Gründen, die außerhalb seiner Macht liegen, nicht mehr empfangen werden konnte.
So wie der Glaube ohne Liebe tot ist (Jakobus 2,17), so ist auch die Taufe ohne Glauben leer. Und so wie die Liebe den Glauben nicht ersetzt, ersetzt der Glaube die Taufe nicht – er vollendet sie. Die Taufe ist der äußere Zuspruch, der Glaube die innere Aneignung. Christus hat beides zusammengefügt, und darum darf man sie nicht gegeneinander ausspielen.
Wer glaubt, sucht die Taufe. Und wer getauft wird, wird eingeladen, im Glauben zu leben. Beides ist Gabe Gottes, beides ist Wirken des Heiligen Geistes, beides ist Teil derselben Wirklichkeit des Heils. Darum ist Markus 16,16 kein Widerspruch, sondern eine präzise Unterscheidung: Die Taufe gehört zum Weg des Heils, aber die Verdammnis trifft nicht den Ungetauften, sondern den Ungläubigen.
Es geht nicht um eine willkürliche Strafe, die ein zorniger Gott über uns verhängt. Es geht um die innere Logik der Freiheit. Wer sich dem Licht verschließt, bleibt in der Finsternis. Wer die ausgestreckte Hand nicht ergreift, fällt. „Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht“ (Johannes 3,19). Gott verdammt nicht aus Willkür. Der Mensch wählt sein Schicksal, indem er Christus annimmt oder ablehnt.
Doch wie steht es um die vielen, die Christus nie gehört haben? Die in anderen Kulturen, anderen Zeiten, unter anderen Umständen leben? Die Kirche hat darüber gerungen, nicht leichtfertig, nicht oberflächlich. Sie hat erkannt, dass Gottes Gnade größer ist als unsere Systeme. „Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (1. Timotheus 2,4). Diese Wahrheit steht fest. Und sie steht neben der anderen Wahrheit: dass Christus der einzige Weg ist. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich“ (Johannes 14,6).
Hier berühren wir ein Geheimnis. Wir wissen, dass Christus der Erlöser ist, der einzige, der Sünde und Tod überwunden hat. Wir wissen, dass die Taufe das Tor zum Leben ist, das Christus selbst eingesetzt hat. Aber wir wissen auch, dass Gott gerecht und barmherzig ist, dass er jeden Menschen kennt, jedes Herz, jeden verborgenen Weg. „Der Herr sieht nicht auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an“ (1. Samuel 16,7).
Doch hier berühren wir die große Gnade Gottes. Darum hüten wir uns, andere Menschen zu verurteilen oder ihnen vorschnell das Heil abzusprechen. Wir wissen nicht, welche Wege Gott mit einem Menschen geht, welche Lichter er ihm schenkt, welche inneren Bewegungen seines Herzens er sieht. Was uns verborgen bleibt, ist ihm offenbar. Und was bei uns wie ein unüberwindbarer Abgrund aussieht, ist für Gott kein Hindernis. „Was bei den Menschen unmöglich ist, das ist bei Gott möglich“ (Lukas 18,27).
Darum sprechen wir nicht über das Heil anderer in einem Ton der Sicherheit, sondern in einem Geist der Ehrfurcht. Gott bindet uns an die Taufe, aber er bindet sich nicht an unsere Grenzen. Seine Wege sind größer als unsere Vorstellungen, und seine Barmherzigkeit reicht weiter, als wir es je ermessen könnten.
Die Kirche lehrt, dass es eine Sehnsucht nach Gott gibt, die Menschen erfüllen kann, auch wenn sie den Namen Christi nie gehört haben. Wer aufrichtig das Gute sucht, wer nach Wahrheit dürstet, wer sein Gewissen ernst nimmt – der ist Christus näher, als es auf den ersten Blick scheint. Denn Christus ist die Wahrheit selbst, und wer die Wahrheit sucht, sucht ihn, auch wenn er seinen Namen nicht kennt.
Paulus spricht davon: „Denn wenn Heiden, die das Gesetz nicht haben, doch von Natur tun, was das Gesetz fordert, so sind sie, obwohl sie das Gesetz nicht haben, sich selbst Gesetz. Sie beweisen damit, dass in ihr Herz geschrieben ist, was das Gesetz fordert, zumal ihr Gewissen es ihnen bezeugt, dazu auch die Gedanken, die einander anklagen oder auch entschuldigen“ (Römer 2,14–15). Damit wird deutlich: Gottes Wirken ist nicht auf die sichtbaren Grenzen der Kirche beschränkt. Sein Geist kann ein Herz berühren, lange bevor ein Mensch ein Evangelium in der Hand hält.
Das entbindet uns nicht von der Aufgabe, Christus zu verkünden. Im Gegenteil. Gerade weil wir um die Fülle wissen, die in ihm liegt, können wir nicht schweigen. Wir wissen, dass die Taufe nicht nur ein Zeichen ist, sondern Leben schenkt. Wir wissen, dass der Glaube an Christus keine Option unter vielen ist, sondern der Weg zum Vater. Darum sind wir gerufen, diese Wahrheit weiterzugeben – nicht mit Zwang, nicht mit Überheblichkeit, sondern in Liebe und Demut. „Seid aber allezeit bereit zur Verantwortung gegen jedermann, der Grund fordert der Hoffnung, die in euch ist, und das mit Sanftmut und Gottesfurcht“ (1. Petrus 3,15).
Christus zu bezeugen heißt nicht, andere zu überfahren, sondern ihnen zu dienen. Es heißt, das Licht, das wir empfangen haben, nicht für uns zu behalten. Es heißt, Menschen einzuladen, nicht zu drängen. Und es heißt, die Wahrheit so zu sagen, dass sie nicht verletzt, sondern öffnet. Denn das Evangelium ist kein Besitz, den wir verteidigen müssen, sondern ein Geschenk, das weitergegeben werden will.
Was bedeutet das für uns, die wir getauft sind, die wir glauben? Es bedeutet, dass wir dieses Geschenk nicht leichtfertig behandeln dürfen. Dass wir nicht in eine Routine fallen, die das Herz einschläfert, und nicht in eine äußere Frömmigkeit, die nur die Lippen bewegt, aber das Innere unberührt lässt. „Dies Volk ehrt mich mit den Lippen, aber ihr Herz ist ferne von mir“ (Matthäus 15,8). Glaube will gelebt werden. Taufe will Frucht bringen. Wir sind hineingenommen in das Leben Christi, und dieses Leben will in uns Gestalt gewinnen – sichtbar werden in unserem Tun, in unserer Liebe, in unserer Hingabe.
Die Taufe ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines Weges. Ein Weg, auf dem wir täglich neu Ja sagen zu Christus. Ein Weg, auf dem wir fallen und wieder aufstehen, auf dem wir zweifeln und neu Vertrauen fassen, auf dem wir lernen, aus seiner Gnade zu leben. „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus“ (Philipper 4,13). Diese Kraft ist uns gegeben, nicht als Besitz, sondern als Geschenk, das wir täglich empfangen – ein Strom, der nicht aus uns selbst fließt, sondern aus ihm, der uns trägt.
In einer Zeit, in der alles relativ erscheint und Wahrheit oft nur noch als persönliche Meinung gilt, steht dieses Wort wie ein Fels. Es sagt: Es gibt eine Wahrheit. Es gibt einen Weg. Es gibt ein Ziel. Und dieser Weg ist Christus. Diese Wahrheit ist nicht hart, sondern befreiend. Sie sagt uns, dass wir nicht orientierungslos umherirren müssen, dass es eine Antwort gibt, eine Hoffnung, einen Grund zu leben.
„Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden.“ Das ist eine Verheißung – eine Zusage, die fester steht als alles, was diese Welt bieten kann. Eine Zusage, die nicht auf unserer Leistung ruht, sondern auf der Treue Christi. „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn“ (Römer 8,38–39).
In dieser Gewissheit dürfen wir leben. In dieser Hoffnung dürfen wir sterben. Und in dieser Liebe dürfen wir einander begegnen. Christus hat uns getauft. Christus hat uns in sein Leben hineingenommen. Christus geht mit uns – jeden Tag, jeden Schritt. Und am Ende wartet nicht das Nichts, nicht das Dunkel, sondern er selbst: der uns liebt, der uns kennt, der uns heimholt in seine Ewigkeit.
Darum sollten wir die Streitfrage der Taufe beiseitelegen und unseren Blick auf Christus richten. Nicht, weil die Taufe unwichtig wäre, sondern weil sie uns zu ihm führen soll und nicht voneinander trennen. Entscheidend ist, dass wir ihm vertrauen, seinem Wort, seiner Gnade, seiner Führung. Wo wir auf ihn schauen, verlieren die Gegensätze ihre Schärfe, und das Wesentliche tritt hervor: dass er der Herr ist, der rettet, der trägt, der vollendet. In seiner Hand liegt unser Leben, nicht in unseren Systemen. Und wer ihm vertraut, der steht fest – im Leben wie im Sterben, im Zweifel wie in der Gewissheit, im Streit wie im Frieden.
Gott befohlen. Pater Berndt
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